Einsätze der Seehunde


Die ersten Kleinst U-Boote vom Typ Seehund kamen erst im Dezember 1944 an die Front:

24.12.19446 Seehunde verlegten im Straßentransport nach Jimuiden, gefolgt von 18 weiteren. Ende Dezember standen 24 Seehunde zur Verfügung.
01.01.194517 Boote liefen aus, um einen alliierten Geleitzug auf Höhe der Kwinte-Bank anzugreifen.
Von diesem Einsatz kehrten lediglich zwei Seehunde zum Stützpunkt zurück.
Sieben Boote hatten sich an der Küste selbst auf den Strand gesetzt. Von den restlichen 8 Booten versenkten der Zerstörer "HMS Cowdray" und die Fregatte "HMS Ekins" je eines, ein weiteres Boot strandete bei Dromberg und wurde dort verlassen vorgefunden, während ein MTB ein viertes in verlassenem Zustand treibend fand. Die übrigen vier verschwanden spurlos. Vermutlich fielen sie dem schlechten Wetter zum Opfer.
Der einzige Erfolg dieses Einsatzes bestand aus der Versenkung des bewaffneten Trawlers "HMS Hayburn Wyke".
03.01.1945Auf Grund des schlechten Wetters wurde ein für diesen Tag angesetzter Einsatz abgebrochen.
06.01.1945Ein weiterer Einsatz wurde wegen des anhaltend schlechten Wetters abgebrochen.
10.01.19455 Seehunde liefen aus, zum Vorstoß an die Küste von Kent (Höhe von Margate).
Nur eines erreichte den Einsatzraum, kehrte aber später mit seinen Torpedos zum Stützpunkt zurück.
Zwei Tage danach wurden sämtliche Einsätze infolge des schlechten Wetters abgesagt.
20.01.1945Verstärkungen sind in Jimuiden eingetroffen.
Im Stützpunkt stehen somit zu diesem Zeitpunkt 26 Seehunde zur Verfügung.
21.01.194510 Seehunde liefen in drei Gruppen zum Einsatz aus:
4 in das Seegebiet von Ramsgate, 3 auf die Höhe von Kap North Foreland und 3 in die geräumte Fahrrinne vor Lowestoft.
Von diesen Booten kehrten sieben vorzeitig mit Schäden zurück. 2 weitere Boote liefen in den Stützpunkt ein, ohne einen Gegner gesichtet zu haben.
Das 10. Boot hatte eine Kompaßstörung und wurde, nachdem es am 22.01.1945 in der Themse-Mündung erfolglos ein Schiff angegriffen hatte, von den Gezeitenströmen nach Norden versetzt. Am 24. Januar befand sich das Boot - der Besatzung unbekannt - auf der Höhe von Lowestoft. Dort wurde es von "ML 153" geortet und angegriffen. Es gelang ihm jedoch, zu entkommen. Die Strömung versetzte das Boot weiter nordwärts, bis auf die Höhe von Great Yarmoth. Infolgedessen lief das Boot, konsequent Heimatkurs steuernd, auf den Scorby-Sänden auf Grund.
Nach zweieinhalbtägigen Anstrengungen, das Boot wieder frei zu bekommen, war die erschöpfte Besatzung gezwungen, Notsignale zu schießen. Schließlich rettete sie die "Beacon", ein Tender von Trinity House.
29.01.194510 Boote liefen in zwei Gruppen aus Jimuiden aus.
Die erste Gruppe sollte auf der Höhe von Margate und die zweite vor South Falls operieren.
Nur zwei der Seehunde erreichten ihren Einsatzraum, die restlichen kehrten aus verschiedenen Gründen vorher um.

Im Januar gingen von 44 eingesetzten Booten 10 verloren und ein Schiff wurde versenkt.

05.02.1945erfolgloser Einsatz
10.02.1945erfolgloser Einsatz
12.02.19455 Seehunde liefen auf die Höhe von Kap North Foreland aus.
Am 15.02.1945 beschädigte das Boot von Leutnant zur See Willi Wolter und seinem LI Leutnant zur See Minetzki den niederländischen Tanker "Liseta" aus dem Geleitzug TAM-80 vor Great Yarmouth.
2 Boote gingen verloren und mehrere strandeten, wurden aber wieder geborgen.
16.02.19454 Seehunde liefen in die Scheldemündung aus.
Ihnen folgten in der Nacht 15 Linsen.
2 Seehunde blieben verschollen. 1 griff erfolglos einen kleinen Geleitzug aus Landungsbooten an und setzte sich dann beim Rückmarsch auf Strand, während das letzte Boot kein Ziel in Sicht bekam und ebenfalls bei der Rückkehr strandete.
20.02.19453 Seehunde liefen in den Raum Ramsgate aus.
21.02.19454 Seehunde liefen in den Raum South Falls aus.
23.02.19451 weiterer Seehund, U 5330, lief nach South Falls aus und versenkte den Zerstörer "La Combatante".
Alle Boote erreichten ihren Einsatzraum und versenkten am 22.02.1945 aus dem Geleitzug TAM-87 das "LST 364" und am 24.02.1945 ostwärts von Ramsgate den Kabelleger "Alert". Die Boote kehrten sicher zurück.

Im Februar gingen von 33 eingesetzten Booten 4 verloren, während zwei Schiffe versenkt und eins beschädigt wurde. Von 29 eingesetzten Booten kehrten 9 nicht zurück. Sie versenkten jedoch drei feindliche Schiffe.

13.03.1945Der Frachter "Tauber Park", aus dem Geleitzug FS-1753, mit 2.878 BRT wird bei Southwold von Leutnant zur See Max Huber und Leutnant zur See (Ing.) Siegfried Eckloff bei ihrer ersten Fahrt versenkt.
Auf Ihrer zweiter Fahrt verfehlten sie ein unbekanntes Schiff mit ihrem Torpedo.
Auf dem Rückweg wurden sie mit Wasserbomben von einem Zerstörer angegriffen. Den Zerstörer verfehlten sie mit ihrem zweiten Torpedo (Kreisläufer).
26.03.1945Die "Nelands" mit 1.556 BRT wird vor North Foreland versenkt.
30.03.1945Die "Jim" mit 833 BRT wird südöstlich vom Orforderness versenkt.
2 Seehunde wurden durch MTB's versenkt. 1 wurde durch die "HMS Torrington" versenkt, 3 weitere durch Jagdbomber, 1 durch die "HMS Puffin" und zwei bleiben verschollen. Die "HMS Puffin" rammte den Seehund, dabei explodierten dessen Torpedos und die "HMS Puffin" wurde irreparabel beschädigt.



Die Seehunde waren die einzigen Einheiten des K-Verbandes, die im April in das fast vollständig eingekreiste Holland gebracht werden konnten.
07.04.194517 Seehunde stießen in den Raum Dover-Dungeness vor.
Sie versenkten am 09.04.1945 aus dem Geleitzug TBC-123 den Frachter "Samida" und beschädigten den Frachter "Solom Juneau".
Ein Seehund wurde von der "ML 102" auf der Höhe von Dover versenkt. In Wirklichkeit gilt es jedoch als verschollen. Ein weiteres geriet ostwärts von Calais auf Grund; es war das Boot von Leutnant zur See Wolter und Maat Minetzke und ein drittes wurde angeblich von der Beaufighter W des 254. Squadron versenkt.
Das Boot von Rosenlöscher und Musch gilt ebenfalls als verschollen.
08.04.1945In Jimuiden standen 29 Seehunde zur Verfügung. Von ihnen war jedoch nur die Hälfte einsatzbereit.
11.04.1945Ein Seehund griff den Geleitzug UC-63B ostwärts von Dungeness an und beschädigte den Frachter "Port Wyndham", aber noch am selben Tag versenkte das "MTB 632" dieses Boot.
12.04.1945Die Barracuda L des 810. Squadron des FAA versenkte einen Seehund im selben Seegebiet.
20.04.19454 Seehunde trafen zur Verstärkung ein.
28.04.1945Die Seehundeinsätze gegen die alliierte Schifffahrt wurden eingestellt. Sie wurden aber weiterhin zu Nachschubfahrten nach Dünkirchen eingesetzt.
4 Seehunde führten die zunehmend gefährlicher werdenden Fahrten durch und alle vier Boote erreichten vor der deutschen Kapitulation ihren Bestimmungsort. Es waren die Boote U 5107, U 5090, U 5365 und U 5074. Letzteres kam später an, weil es wegen einem Schaden später aus Jimuiden ausgelaufen war.
Die druckfesten Behälter in den Torpedoschienen waren mit Lebensmitteln und Medikamenten beladen (sog. Buttertorpedos).
Auf der Rückfahrt nach Jimuiden hatte jeder Seehund 4500 Briefe geladen. Die Seehundpost hat nicht versagt und erreichte wohlbehalten den Stützpunkt.
Drei weitere Seehunde, mit jungen und neuen Besatzungen liefen am 28.04.1945 nach Dünkirchen aus, gerieten dort in die Kapitulation hinein.
Diese drei Boote sanken oder strandeten im Hafen, und wurden von den Franzosen gehoben.
Die Besatzungen gerieten in französische Gefangenschaft.

Im April kamen insgesamt 36 Seehunde zum Einsatz.
Drei Boote gingen vor Orfordness verloren. 9 operierten in der Schelde-Mündung, drei gingen von ihnen verloren.

01.05.194514 Seehunde aus Wilhelmshaven und zwei Boote aus Helgoland trafen zur Verstärkung in Jimuiden ein.
Der Stützpunkt Jimuiden wurde von Kanadischen Truppen kampflos eingenommen und bis Spätsommer 1945 besetzt gehalten. Ein großer Teil der Gefangenen wurde zunächst in ein Camp nach Ostfriesland gebracht. Dann wurden sie verteilt und auch zum Minensuchen eingesetzt.
08.05.1945Drei Seehunde explodieren in Dünkirchen nach der Waffenruhe. Sie wurden jedoch von den Franzosen repariert.



Insgesamt kamen 1945 142 Seehunde zum Einsatz.
Sie versenkten 9 Schiffe und beschädigten drei.
35 Seehunde gingen verloren.

Schätzungen zufolge waren über 500 Schiffe und 1500 Flugzeuge mit ständigen Auftrag im Einsatz, die deutschen Kleinst U-Boote zu jagen.



© 2002 by Enrico




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